Vater Unser und Trinitatis – Juli 2026

Der erste Gottesdienst des neuen Stammapostels in unserem Bezirk liegt nur wenige Tage zurück und mir liegen Worte auf dem Herzen, wie sie in der Chronik oft verwendet wurden: Unser neuer Stammapostel wirkte mit großem Segen und voller Glaubenskraft. Ich hatte viele Gänsehautmomente während der Predigt und auch während der Musikbeiträge.
Ich empfand diesen Gottesdienst als eine Art Abschluss der Transformation, die unsere Kirche in den letzten Jahren durchlaufen hat. Insgesamt hat sich die Kirche der Ökumene geöffnet und das Amtsverständnis hat sich soweit entwickelt, dass nun auch Frauen ein Amt erhalten können. Wir haben einen neuen Apostel, einen neuen Stammapostels und einen neuen Bezirksapostel.
Bei soviel Veränderung möchte ich die Chance nutzen, auch eine Kleinigkeit anzupassen. Vielleicht habt ihr es ja schon bemerkt: Die Gemeindeinfo sieht anders aus und hat jetzt einen QR-Code, der auf herzensacker.de führt. Wer diese Seite noch nicht kennt, kann gerne in der alten Kategorie Predigtimpressionen stöbern, die sich mit den Themen neuapostolischer Gottesdienste gefasst.
An euch als Gemeinde persönlich richtet sich die neue Kategorie Für Herz und Glauben. Die Kategorie erweitert die neue Gemeindeinfo um einen geistlichen Teil und soll einen Ausblick auf die aktuellen Themen des Monats bieten. Ich wünsche viel Freude und viel Spaß beim Lesen!
Urlaubsmitbringsel aus Leipzig – Dreifaltigkeitsikone von Andrey Rublev
Vielleicht habt ihr euch gefragt, was dieses Bild darstellen soll. Es handelt sich dabei um ein Gemälde von Andrey Rublev, das etwa im Jahre 1411 entstand. Diese Darstellung der Dreifaltigkeit wurde als Ikone für das Dreifaltigkeitskloster von Sergijew Possadin Auftrag gegeben, wo es auch seit dem Jahre 2022 wieder hängt. (Mehr dazu auf Wikipedia)
Als wir neulich unseren Urlaub in Leipzig verbrachten, konnten wir den Gottesdienst mit Stammapostel Helge Mutschler aus Stendal verfolgen, den er zu Trinitatis hielt. Er sprach davon, dass es in der Geschichte schon viele Versuche gab, das Mysterium der Dreifaltigkeit zu ergründen. Dies gelang mit mehr oder weniger gutem Erfolg. Doch eine wirklich schöne Verbildlichung der Dreifaltigkeit erschuf eben dieser Mönch Andrey Rublev.
Deutung des Kunstwerks
Der Stammapostel erklärte das Kunstwerk folgendermaßen: Am Tisch sitzen die drei Persona Gottes – Vater, Sohn und Heiliger Geist – an einem Tisch. Doch wer genau hinsieht, erkennt: Es ist noch Platz an der Stirnseite des Tisches. Mit anderen Worten: Es ist noch Platz im Herzen Gottes und er lädt uns ein dort Platz zu nehmen.
Die Einladung an den Tisch mit Gott
Helge Mutschler erklärte weiter, dass diese Einladung das Wort der Apostel ist. Das Evangelium ist eine Einladung in das Herz Gottes. Wenn wir Erlösung erlangen wollen, müssen wir nur dieser Einladung folgen und dafür sorgen, dass dort ein Stuhl für uns bereit steht. Dieser Stuhl, erklärte er weiter, ist die Wiedergeburt aus Wasser und Geist, also die Wassertaufe und die heilige Versiegelung. Diese beiden Sakramente sind die Grundvoraussetzung, um am Tisch Gottes Platz nehmen zu dürfen und von der Speise kosten zu können, die dort angeboten wird.
Die Speise am Tisch Gottes
Die Speise die dort angeboten wird, ist das Heilige Abendmahl, an dem wir jeden Gottesdienst teilhaben dürfen. Es ist sein Wort, das Brot des Lebens, von dem wir jeden Gottesdienst kosten dürfen.
Tischgemeinschaft mit Gott
Wer sich an Gottes Tisch setzt, der wird Liebe erfahren. Das ist unser Glaube. Wenn wir an dieser Tischgemeinschaft mit Gott teilhaben, dann betet Jesus selbst mit uns und er betet für uns. Auch wenn wir vielleicht nicht mehr beten können, er steht für uns ein. Dass wir diese Tischgemeinschaft mit dem dreieinigen Gott haben dürfen, ist unser Trost.
In diesem Gottesdienst diente der Stammapostel mit dem Wort Johannes 17,20.21, wo es unter anderem heißt:
Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein.
Du in mir, ich in dir. Diese Worte waren wie ein roter Faden, der sich durch die Predigt zog. Diese Worte bedeuten eines Sinnes zu sein. Wenn wir alle einen freien Platz am Tisch Gottes haben möchten, müssen wir einander vergeben. Das ist ein alter, aber immer noch aktueller Gedanke: Würdest du Bruder oder Schwester als deinen Sitznachbar bei der Hochzeit im Himmel akzeptieren?
Kurz vor dem Heiligen Abendmahl sprach der Stammapostel im Lichte dieser Gedanken davon, dass die Worte „Der Tisch ist nun bereitet“ nun eine ganz andere Bedeutung erhielten. Eine wahrhafte Tischgemeinschaft mit dem Dreieinigen Gott ist an Bedingungen geknüpft. Wir müssen der Einladung der Apostel an den Tisch folgen, am Tisch muss ein Stuhl für uns bereit stehen und wir müssen mit der rechten Herzenseinstellung dort hin gehen. Erst dann können wir in vollem Umfang von der Speise kosten, die uns im Heiligen Abendmahl angeboten wird.
Der letzte Monatsbrief an die Amtsträger von Michael Ehrich
Ganz besonders berührte mich der letzte Monatsbrief unseres Bezirksapostels Michael Ehrich. In diesem Brief sprach er nochmals seinen Dank an alle aus, die im Werke Gottes ihren Teil getan haben und noch tun. Auch wenn sich die Welt verändert, bleibt doch eines immer das Selbe:
Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
Hebräer 13,8 LU17
Diese Worte begleiten uns als Gemeinde nun seit dem 75-Jährigen Jubiläum, wo es unser Apostel Arne Hermann auch schon in seinem Grußwort an uns richtete. Wenn es auch Veränderungen gibt, die wir nicht verstehen und wir vielleicht weniger werden. Wenn ein Gerüst gefühlt ewig um unsere Kirche steht und vieles mehr. Jesus bleibt bei uns alle Tage. Gott ist unwandelbar und unser Glaubensziel bleibt für immer das Kommen des Herrn!
Gottesdienst für Entschlafene
Am letzten Sonntag im Juni bereiteten wir uns auf den Gottesdienst für Entschlafene vor, der nun nicht mehr weit entfernt ist. Doch mit diesem Gottesdienst soll die Vorbereitung nicht beendet sein. Das Textwort des Wochentagsgottesdienstes vor dem Entschlafenengottesdienst wirkt auf mich wie eine Ermahnung:
Lass deine Hände nicht sinken!
Auch wenn wir müde und matt sind, sollten wir uns für unsere Lieben in der Ewigkeit aufraffen, denn jede Fürbitte ist wichtig und jede Fürbitte wirkt.
Bemerkenswerte Parallele aus der Bibellesung
Die Bibellesung zur Bibelkunde soll zwar erst am 15.07.2026 vorgetragen werden, doch ein Aspekt passt bemerkenswert gut zum Entschlafenengottesdienst. In der Wuppertaler Studienbibel wird intensiv darauf eingegangen, wie Jesus seine Jünger grüßte:
Shalom!
Dieser einfache, damals übliche Gruß bedeutet Friede sei mit dir! Doch aus dem Munde des Auferstandenen bedeutete dieser Gruß so viel mehr. Jesus legte in diese wenigen Worte, dass alles vergeben und ausgelöscht ist. Kein Ton des Vorwurfs klang in diesem Gruß mit. Er wollte ihnen klar machen, dass nichts zwischen ihm und den Jüngern lag. Nichts dass trennt oder wofür sie sich schämen mussten. Er wollte keine Abrechnung halten, auf die dann vielleicht eine Versöhnung folgen sollte. Nein, er brachte ihnen nichts als Frieden, Liebe und Heil entgegen.
Genau diese Geisteshaltung wünsche ich mir für uns. Gerade jetzt im Hinblick auf den Entschlafenengottesdienst. Wenn wir in Fürbitte für Entschlafene Seelen eintreten, dann grüßen wir sie doch im Geiste mit einem ebenso gehaltvollem Shalom, wie Jesus seine Jünger grüßte.
Wenn wir vielleicht einen alten Twist mit jemanden haben oder noch Groll gegen jemanden verspüren, der nicht mehr in dieser Welt ist, können wir trotzdem oder gerade deswegen für diese Seele beten und ihr eine Botschaft des Friedens senden:
Ich denke an dich und ich vergebe dir. Ich wünsche dir Frieden und Heil. Nichts soll zwischen uns stehen. Komm zu uns, um mit uns Gemeinschaft zu feiern!
Vater Unser
Das Thema diesen Monats handelt von dem Gebet, das Jesus selbst uns lehrte. Ich musste sofort an eine Schrift über das Vater Unser von Nikolaus Cusanus denken.
Zu der Zeit, als dieser Bischof lebte, gab es viele Gebetsformeln. Für jeden besonderen Zweck gab es die richtigen Worte. Als neuapostolische Christen kennen wir keine besonderen Gebetsformeln. Als Kind fand ich es immer sehr befremdlich und gleichzeitig interessant, dass die Familien meiner Schulkameraden Gebetswürfel hatten. Ganz anders als ich es kannte.
Unser Gebet ist frei und wird oft mit dem Atmen der Seele gleichgesetzt. Ohne ein aktives Gebetsleben fehlt etwas in unserem Glauben. Auch wenn unser Katechnismus Psalm 23 oder das Vater Unser empfiehlt, wenn wir einmal nicht wissen, was wir beten sollen, soll im allgemeinen unser Gebet vom Heiligen Geist inspiriert sein:
Desgleichen hilft auch der Geist unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich´s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.
Römer 8,26 LU17
Manchmal ist es turbulent im Alltag und wir sind von unseren täglichen Aufgaben regelrecht gefangen. Ich erinnere mich gerne an diesen einen Gedanken unseres Pr. Karl. Wenn er Unruhe im Herzen hatte, betete er darum, dass Frieden und Ruhe in sein Herz einkehren möge. Dann wartete er und während der Zeit des Wartens kehrt dieser Friede und diese Ruhe in sein Herz ein.
Unsere Verbindung zum Heiligen Geist hat ihren Ursprung in einem friedvollem und ruhigem Herzen. Erst wenn wir ihm genug Raum geben und alles weicht, das unser Herz belastet oder ablenkt, kann der Heilige Geist in unser Herz einkehren und uns im Gebet leiten.
Schlussgedanke
Das war der erste Beitrag der Kategorie Für Herz und Glauben. Ich hoffe ich konnte euch einen kurzen Einblick in die Themen des kommenden Monats bieten. Ich bin natürlich offen für Anregungen und Wünsche. Wenn ihr wollt, könnt ihr gerne einen Kommentar hinterlassen. Hier im Kommentarfeld oder auch persönlich.
Viele Grüße
Johannes
- Monatsschrift für Geistliche, Juli 2026, 14.06.2026, Mit Christus zum Ziel, Verlag Friedrich Bischoff GmbH
- Gottesdienst mit Stammapostel Helge Mutschler in Stendal am 31.05.2026
- https://de.wikipedia.org/wiki/Dreifaltigkeitskloster_von_Sergijew_Possad
- Boor, W. d. (1959). Wuppertaler Studienbibel – Das Evangelium des Johannes. Deutschland: R. Brockhaus Verlag Wuppertal
- Cusanus, Nicolaus (2005): Philosophische und theologische Schriften. Vollständige Studienausgabe. Auf der Grundlage der Übersetzungen von Anton Scharpff, hrsg. und mit einem Vorwort versehen von Eberhard Döring, Wiesbaden: Marixverlag
