Vergessene Seelen – November 2026

Der vergessene Friedhof bei Kamminke (Foto: Johannes Ruopp)

Im November sind die Tage schon kürzer geworden und man verbringt die frühen Abenden zu Hause. Das Kirchenjahr neigt sich dem Ende und aus alter Tradition feiern wir den dritten und letzten Gottesdienst für Entschlafene diesen Jahres.

Für mich ist der November immer etwas ganz besonderes. Viele christliche Gemeinschaften treten in Fürbitte für Entschlafenen ein. So wie die Neuapostolische Kirche den Entschlafenengottesdienst feiert, feiert die katholische Kirche Allerseelen und Allerheiligen und die evangelische Kirche, wie auch die Apostolische Gemeinschaft feiern den Ewigkeits- oder Totensonntag.

Diese Zeit macht mich jedes Jahr sehr nachdenklich und wer sich dafür interessiert, den möchte ich dazu einladen, auch die folgenden Artikel durchzugehen:

Fürbitte für vergessene Seelen

Am letzten Sonntagsgottesdienst im Oktober sprach unser Bezirksvorsteher davon, dass wir am kommenden Gottesdienst für Entschlafene an eine Gruppe ganz besonders denken sollen: Die, an die keiner mehr denkt.

Ein Gebet für Seelen, die von der Welt vergessen wurden. Alle Menschen die je gelebt haben und an die keiner mehr denkt. Eine unvorstellbar große Zahl an Seelen in der Ewigkeit.

Nach einer Modellrechung des Population Reference Bureau beträgt die Zahl der Menschen, die jemals geboren wurden ca. 117 Mrd. Heute leben auf dieser Erde noch ca. 8 Mrd. Menschen. Zahlen, die sich kein Mensch vorstellen kann. Um aber eine ungefähre Vorstellung zu bekommen: Das bedeutet, dass ca. 93% aller Menschen bereits in die Ewigkeit gezogen sind.

Die Gedächtnisforschung, wie z.B. im Buch Das kulturelle Gedächtnis von Jan Assmann, zeigt, dass die Erinnerungen an einen Menschen schon nach drei bis vier Generationen verschwinden, wenn es von ihm keine Aufzeichnungen in irgendeiner Form gibt. Daraus können wir schließen, dass der größte Teil aller Menschen, die je gelebt haben, längst dem Vergessen anheimgefallen ist. Für diese Menschen, vergessene Seelen, wollen wir im vor uns liegendem Gottesdienst für Entschlafene in Fürbitte eintreten.

Niemand auf dieser Welt kann sich mehr an sie erinnern, aber vielleicht gibt es noch einige Seelen in der Ewigkeit, die sich an den ein oder anderen erinnern und für so manche Seelen in Fürbitte eintreten. Denn nur weil jemand in der Ewigkeit ist, heißt es nicht, dass derjenige aufhört für andere zu beten (siehe Fürbitte – nicht nur für Entschlafene).

Aber selbst wenn es nicht einmal in der Ewigkeit jemanden gibt, der sich an eine einsame Seele erinnert, können wir eines mit Gewissheit sagen: Gott hat auch vergessene Seelen lieb und streckt seine liebende Hand nach ihnen aus.

Weitere Themen in November

Am zweiten Sonntag hören wir davon, was es heißt Bürger im Himmel zu sein und dass Christen sich nicht an irdischen, sondern an himmlischen Maßstäben orientieren.

Am dritten Sonntag betrachten wir Gott als einen gerechten Richter, auf den wir in jeder Lebenslage, bis zum Tod und darüber hinaus vertrauen können.

Der vierte Sonntagsgottesdienst soll uns die neue Schöpfung näher bringen. Gott macht alles neu und das beginnt heute schon – in uns selbst.

Am letzten Sonntag im November feiern wir einen Gästegottesdienst. Gleichzeitig beginnt mit dem 1. Advent das neue Kirchenjahr.


Literatur:

  • Monatsschrift für Geistliche, November 2026, Verlag Friedrich Bischoff GmbH
  • https://www.prb.org/news/how-many-people-have-ever-lived-on-earth/
  • Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 2000, Verlag C.H.Beck oHG, S. 50.
  • Foto (Beitragsbild): Johannes Ruopp

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