Alles aus Gottes Hand

Auch das Kreuz, das wir tragen kommt aus Gottes Hand
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Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht innehalten, bis seine Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel.

Jesaja 62,1 LU17

Ich fand es diesmal schwer mich auf den Gottesdienst vorzubereiten. Deshalb ging ich Anfang dieser Woche in die Stadtbücherei, um mir ein paar Anregungen zu holen. Wie in dem Antiquariat, das ich so gerne zum Stöbern besuche, gibt es auch dort ein gut sortiertes Theologie- und Philosophieregal. Ich lief es einmal ab und dann noch einmal, aber irgendwie fand ich einfach keine Inspiration. Dann las ich die Titel der Bücher, aber wieder nichts. Auch als ich einen Schritt zurück ging und die Bücher von dort betrachtete, stach mir kein Besonderes ins Auge. Ich schickte ein Stoßgebet an unseren Himmlischen Vater und lief das Regal nochmals ab. Jetzt sah ich es: Ein Buch über Martin Luther, das seine wichtigsten Schriften enthält, als hätte ich es aus Gottes Hand empfangen.

Martin Luthers kleiner Katechismus

Ich blätterte durch das Buch und blieb im kleinen Katechismus hängen. Ganz am Anfang wird das erste Gebot und dessen Bedeutung erklärt:

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

KNK 5.3.2, Katechismus der Neuapostolischen Kirche. (2012). Deutschland: Bischoff.

Dort wird ganz besonders darauf eingegangen, was es heißt einen Gott zu haben. Es heißt dass wir unserem Himmlischen Vater von ganzem Herzen vertrauen und glauben sollen. Nur an ihm soll unser Herz hängen und mit ihm sollen wir alles Anfangen:

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

Matthäus 6,33 LU17

Aus Gottes Hand dürfen wir alles empfangen und nur von ihm kommt das Gute und das Heil. Deshalb sollten wir zuallererst danach fragen, was sein Wille ist und entsprechend handeln. Er möchte das Heil für alle Menschen und wir sollten darauf vertrauen, dass er uns genau das geben will, das uns zur neuen Kreatur verwandelt. Dankbar jede Prüfung annehmen und jedes Kreuz tragen.

Das erste Gebot im Katechismus der Neuapostolischen Kirche

Als ich dann zu Hause den Katechismus der Neuapostolischen Kirche aufschlug, hatte ich ein kleines Déjà-vu, denn was dort im Kapitel zum ersten Gebot stand, war quasi eine andere Formulierung der Leitgedanken für den vergangenen Gottesdienst.

Die Leitgedanken erklären, dass Gott sich nicht von Adam und Eva abwandte. Stattdessen sorgte er für sie und stattete sie mit dem aus, was sie zum Leben brauchten. Die erste Überschrift im Katechismus lautet Gott – Herr und Wohltäter. Gott ist der Schöpfer aller Dinge und ihm kommt uneingeschränkte Souveränität zu. Doch er möchte nicht, dass die Menschen unnötig leiden. Deshalb sorgt er für dich und für mich persönlich.

Der nächste Abschnitt der Leitgedanken ist mit den Worten Gott wendet sich dem Sünder zu überschrieben. Im nächsten Unterpunkt des Katechismus heißt es, dass Gott seinen Sohn aus Liebe in unsere Welte sendete. Ist das nicht die ultimative Zuwendung Gottes?

Im dritten Abschnitt der Leitgedanken geht es darum, dem Heilsangebot Gottes entsprechend zu handeln. Wir sollen beten ohne Unterlass und ihm unsere Sorgen, Wünsche, Zweifel und Fragen offenbaren. Aber wir sollen auch zuhören, was er uns zu sagen hat und uns seine Worte zu Herzen nehmen. Im Katechismus lautet die Überschrift des nächsten Abschnittes Anbetung und Gottesfurcht. Auch hier wird im letzten Absatz davon geschrieben, dass das Gebet von Respekt und Gottesfurcht geprägt sein soll und dass wir voller Demut, Liebe und Vertrauen immer zu ihm kommen können.

Ein Hinweis aus Gottes Hand

Für mich war dies ein Fingerzeig Gottes. Ich ging extra in die Stadtbücherei, um Inspiration für den Gottesdienst zu suchen. Dabei hatte ich doch alles zu Hause. Ich hätte einfach unseren Katechismus aufschlagen müssen. Es war als mir wollte Gott sagen:

Ich habe dir alles an die Hand gegeben. Warum suchst du wo anders?

Eine Last aus Gottes Hand

Vor dem Gottesdienst unterhielt ich mich lange mit einer Glaubensschwester und irgendwie stellten wir uns die Frage, ob das Amt eine Last oder eine Gabe ist. Sie sagte mir dann, dass man es früher ein Amtspfund nannte. Ich musste dabei an ein Meme denken, das ich am Vormittag gesehen hatte.

Viele Gläubige liefen in die selbe Richtung und alle hatten ein Kreuz zu tragen. Einer von ihnen blieb plötzlich stehen und bat Gott, dass er sein Kreuz ein wenig leichter machen sollte. Kurzerhand nahm er eine Säge in die Hand und kürzte das Kreuz um ein ganzes Stück. Doch das Kreuz war immer noch zu schwer und er kürzte es noch ein paar mal, bis er pfeifend die anderen überholte.

Doch dann kam er an einen Schlucht und er wusste nicht, wie er diese überqueren sollte. Er dachte daran, sein Kreuz über die Schlucht zu legen, doch es war mittlerweile so kurz, dass es nicht bis zur anderen Seite reicht. Allmählich kamen die anderen Gläubigen, die er kurz vorher überholt hatte. Alle legten sie ihr Kreuz über die Schlucht und konnten so den Abgrund überqueren.

Da saß der arme Tropf nun und wusste nicht mehr weiter. Gott ließ sein Kind aber nicht alleine und reichte ihm ein neues Kreuz, das lang genug war, um es als Brücke zu nutzen. So konnte auch er durch die Gnade Gottes den Schlucht überqueren.

Erzählung nach https://www.instagram.com/p/DHcK2yJvj0n/?igsh=aXE3YzA5NjBzc3Y1

Diese Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass wir alles aus Gottes Hand dankbar entgegen nehmen dürfen. Er legt uns keine Last grundlos auf.

Die Glaubensschwester erzählte daraufhin von einer alten Geschichte, die ich schon kannte, aber schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gehört hatte:

Ein Mann klagte immer wieder über das Kreuz, das er zu tragen hatte. Es erschien ihm zu schwer, zu groß, zu hart. Tag für Tag schleppte er es weiter, mühsam und mit großem Groll im Herzen. Schließlich betete er zu Gott:

„Herr, ich halte es nicht mehr aus. Mein Kreuz ist zu schwer für mich. Bitte gib mir ein anderes, ein leichteres.“

Gott hörte sein Gebet und sprach:

„Komm mit, mein Kind. Ich will dir einen Ort zeigen, an dem viele Kreuze stehen. Du darfst dir eines aussuchen, das besser zu dir passt.“

Der Mann trat ein in einen großen Raum. Überall standen Kreuze – groß und klein, schwer und leicht, kunstvoll geschnitzt oder schlicht. Manche wirkten zerbrechlich, andere massiv und unerschütterlich.

Er begann, eines nach dem anderen auszuprobieren. Einige waren zu lang, andere schnitten in seine Schultern, manche waren ihm zu schwer, manche zu fremd.

Nach langem Suchen fand er schließlich ein Kreuz, das ihm erstaunlich gut passte. Es war nicht leicht, aber tragbar. Er fühlte sich damit nicht überfordert, sondern sogar gestärkt. Freudig rief er:

„Herr, dieses Kreuz möchte ich nehmen. Es ist genau richtig für mich.“

Da lächelte Gott und sprach sanft:

„Mein Kind, das ist das Kreuz, das du vorher schon getragen hast.“

volkstümlich Erzählung, Quelle unbekannt, rekonstruiert mit KI

Oft glauben wir, dass unser Kreuz unerträglich schwer ist und dass andere es vielleicht leichter im Leben haben. Am liebsten würden wir mit jemandem tauschen. Doch ich muss dabei daran denken, was ein Kollege einmal zu mir sagte:

Du weißt nicht, was der andere für Probleme hat. Vielleicht geht es ihm noch schlimmer.

Natürlich können wir uns wünschen mit jemandem die Last zu tauschen, aber wir wissen natürlich, dass das nicht geht. Die Geschichte vom zu schweren Kreuz zeigt uns auch, dass der Wunsch, unser Kreuz gegen ein anderes zu tauschen, keinen Sinn macht.

Unser Himmlischer Vater weiß nämlich ganz genau, wieviel wir tragen können und gibt uns ein ganz persönliches, für uns passendes Kreuz. Für andere wäre dieses Kreuz vielleicht zu schwer und für uns wäre dafür eine andere Last zu schwer. Jedes Kreuz ist anders und kann nur von dem getragen werden, für den es bestimmt ist. Nehmen wir doch einfach das aus Gottes Hand an, was er für und persönlich vorgesehen hat.


Literatur

  • Leitgedanken 2025/04, 02./3..04.2025, Das Heil annehmen, Verlag Friedrich Bischoff GmbH
  • Luther, M., Kunst, H. (1982). Martin Luther: ein Hausbuch. Deutschland: Kreuz-Verlag.
  • Katechismus der Neuapostolischen Kirche. (2012). Deutschland: Bischoff.
  • https://www.instagram.com/p/DHcK2yJvj0n/?igsh=aXE3YzA5NjBzc3Y1

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