Gemeinschaft mit dem Vater

Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?
aus Lukas 2,49 LU17
Jesus suchte die Gemeinschaft mit dem Vater. Im alten Testament war es üblich Gott mit den Worten unser Vater anzurufen. Unser Textwort beschreibt das erste Mal, als Jesus Gott seinen Vater nennt. Damit zeigt er seine ganz besondere Verbindung zu Gott auf.
Trotzdem weiß Jesus noch nicht alles. Auch er braucht Lehrer. Einerseits die Lehrer, die ihm die Schrift erläuterten, aber auch den Lehrer, der ihm die Geheimnisse Gottes offenbarte. Dieser Lehrer war der Heilige Geist.
Man sieht also wieder einmal, dass Jesus alles durchlebte, was auch wir Menschen heute durchleben müssen. Er lernte die Schrift, genauso wie wir Menschen, durch irdische Lehrer und er bekommt, genauso wie wir heute, innere Impulse.
Genauso wie wir heute erhielt auch er Impulse aus dem Heiligen Geist und vom Widersacher. Auch er musste zwischen diesen Impulsen unterscheiden.
Gemeinschaft im Haus des Vaters
Der Ausdruck Haus des Vaters meint einen Raum der Gegenwart Gottes. Das war im alten Testament die Stiftshütte und später der Tempel in Jerusalem. Auch Jesus wusste das und er sucht die Gegenwart seines Vaters im Tempel.
Heute finde die Menschen Gottes Gegenwart vor allem in Gemeinschaft, Wort und Sakrament. Das Wort ist die Predigt und das Sakrament die Sündenvergebung und das Heilige Abendmahl.
In seiner Gegenwart fühlen die Menschen eine Zugehörigkeit. Es bildet sich eine Gemeinschaft von Gläubigen, die sich von Heiligen Geist führen lässt und die am Vater orientiert bleibt. Er führt sie durch die vom heiligen Geist inspirierte Predigt.
Aber der Heilige Geist wirkt auch ganz besonders in den heute lebenden Aposteln. Ihre Aufgabe ist unter anderem das Evangelium immer wieder neu zu interpretieren und daraus den Sendungsauftrag abzuleiten:
Gutes tun, weil Gott gut ist
Wir wollen Gutes tun, weil Gutes tun Teilhabe am Handeln Gottes bedeutet. Manchmal kommen wir uns klein vor und denken, dass wir sowieso nicht bewirken können. Doch das stimmt nicht. Auch wenn wir schwache Menschen sind, können wir etwas bewirken.
Wir können gegenüber der Not unserer Zeitgenossen aufmerksam sein ihnen helfen. Auch wenn es vielleicht nur eine Kleinigkeit ist, wie 10€ oder ein Aufbauendes Wort, kann es dem Leidenden die Welt bedeuten.
Wir wollen nicht abstumpfen gegenüber dem Leid, von dem wir tagtäglich erfahren – aus welchen Quellen auch immer. Betrifft es uns, wenn wir von Krieg und Leid in fernen Ländern lesen oder hören? Oder sind wir bereits abgestumpft und es lässt und kalt.
Wir können eine Kleinigkeit für jemanden tun und es bedeutet ihm unendlich viel. Aber auch andere tun gute Werke im Kleinen. Die kleinen Werke von anderen verdienen genausoviel Anerkennung, wie die eigenen und wir dürfen sie auf keinen Fall gering schätzen. Jeder tut Gutes im Rahmen darüber Möglichkeiten und in seinen Wirkkreis.
Hoffnung wecken, weil Gott die Zukunft ist
Alles was wir jetzt erleben, sei es gut oder schlecht ist vergänglich. Alle Reiche der Erde, alle Wirtschaftssimperien und alles, was im Irdischen beständig wirkt, wird eines Tages vergehen.
Doch eines wird ewig bestehen und das ist das Werk Gottes. Sein ewiges Reich wird bis ans Ende der Zeit und darüber hinaus bestehen.
Als Gotteskinder dürfen wir uns glücklich schätzen. Er hat uns verheißen, dass er uns in dieses Reich führen wird, um dort für immer in Frieden und in Harmonie mit ihm zu Leben.
Liebe leben, weil Gott selbst die Liebe ist
Gott ist die Liebe selbst und wir wollen seinem Wesen immer ähnlicher werden. Doch Liebe bedeutet nicht immer tun, was der andere will. Manchmal bedeutet Liebe auch schonungslos ehrlich zu sein. So heißt es z.B. auch in den Sprüchen Salomos:
Die Schläge des Freundes meinen es gut; aber die Küsse des Hassers sind trügerisch.
Sprüche 27,6 LU17
Gott gibt uns nur das, was und zu unserem Heil führt. Wir sollten unseren Mitmenschen nichts verheimlichen, auch wenn es sie im ersten Moment vielleicht verletzt. Denn je eher jemand die Wahrheit kennt, fest früher kann er seine Situation ändern. Kennt er die Wahrheit nicht, aber sich auch nichts.
Die Liebe leben heißt auch jeden gleich, d.h. seinen Bedürfnissen entsprechend, zu behandeln. Das können wir ganz einfach schaffen, indem wir uns immer wieder vier Augen führen, dass jeder Mensch als ein Ebenbild Gottes geschaffen wurde.
Natürlich sind wir nur Menschen und nicht so vollkommen wie Jesus Christus. Wir alle haben Fehler und Schwächen. Wenn wir unseren Nächsten lieben wollen, wie uns selbst, müssen wir über diese Feier und Schwächen geduldig hinwegsehen. Schließlich hat jeder seine eigenen Macken und man erwartet den anderen das Gleiche.
Wie Jesus in der Gemeinschaft des Vater bleiben
Wir wollen bewusst Zeit im Haus des Vater verbringen – im Gebet, im Hören der Predigt und im Sakrament. Gottesdienst heißt Gemeinschaft, Gemeinschaft der Gläubigen untereinander und mit Jesus Christus im Heiligen Abendmahl.
Einer Tages wird uns Gott wieder zu sich in sein Reich hören. Trotzdem dürfen wir uns nicht darauf verlassen, dass eines Tages ohne unser Zutun Friede in unser Leben einkehrt. Wir müssen selbst für Frieden sorgen. Es ist unsere eigene Entscheidung, ob wir ein Friedvolles Leben führen oder nicht. Suchen wir Streit oder fördern wir Frieden um uns her?
Das was Paul über den Peter sagt, sagt mehr über den Paul aus als über den Peter.
Baruch Benedictus de Spinoza, (Quelle: https://gutezitate.com/zitat/183721)
Welche Gespräche führen wir mit unseren Glaubensgeschwistern? Führen wir anspruchsvolle Gespräche über unseren Glauben oder tauschen wir nur Klatsch und Tratsch aus? Ist unser Herz voll von Gottes Liebe, dass das Herz überquillt oder belasten wir unseren Gesprächspartner mit Unnützem?
Nicht nur was wir hören ist geistige Nahrung. Auch alles, was wir aussprechen ist nährt uns. Geistige Nahrung baut unseren zukünftigen geistigen Leib. Wie soll unser geistiger Leib aussehen und aus was soll er gebaut sein? Soll er vom göttlichen Ödem und seiner Liebe erfüllt sein oder legen wir darauf keinen Wert?
Literatur
- Leitgedanken 2025/07, 09./10.07.2025, Gottesdienstliche Gemeinschaft, Verlag Friedrich Bischoff GmbH
