Liebevolles Sprechen

Liebevolles Sprechen

Liebevolles Sprechen kommt von Herzen. Es ist die Art der Kommunikation, die aus der Liebe heraus entspringt und die Heilsam für uns und für andere ist.

Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

1. Thessalonicher 5,11

Zwischenmenschliche Kommunikation

Die zwischenmenschliche Kommunikation ist ein entscheidender Bestandteil unseres menschlichen Miteinanders. Tagtäglich treten wir in vielfältiger Weise miteinander in Kontakt – sei es durch informelle Gespräche und Klatsch, durch Anweisungen oder Bitten um Unterstützung. Leider kommt es auch vor, dass Menschen sich beklagen oder einander beleidigen.

Auf der positiven Seite trösten und ermutigen wir uns gegenseitig. Wir gratulieren einander zu bestandenen Prüfungen oder Geburtstagen und teilen freudige Nachrichten. Ebenso bringen wir uns gegenseitig zum Lachen und schenken einander Freude.

Alles ist Nahrung

Alles, was wir zu uns nehmen, wirkt entweder heilend oder es schadet uns. Die meisten Menschen glauben, Nahrung sei nur das, was wir mit dem Mund zu uns nehmen, doch auch das, was wir durch Augen und Ohren, unsere Nase, unsere Zunge und unseren Körper aufnehmen ist Nahrung.

Tich Nhat Hanh, Achtsam Sprechen – Achtsam zuhören

Alles, was wir aufnehmen, ist Nahrung für uns – sei es das Gespräch unserer Kollegen am Schreibtisch nebenan oder die Beteiligung an Klatsch und Tratsch. Diese Einflüsse können entweder schädlich oder heilend für uns sein. Daher ist es von Bedeutung, achtsam zu wählen, welche Einflüsse wir zulassen. In diesem Kontext erinnert mich an die drei Siebe des Sokrates: Wenn das, was wir hören, vermutlich nicht wahr ist, nichts Gutes ist und nicht notwendig für uns ist, dann dient es uns nicht, und wir sollten es nicht aufnehmen. Die Themen, die oft Gegenstand der Unterhaltung sind, dienen selten unserem Wohl, sondern richten eher Schaden an. Sie könnten uns innerlich aufwühlen und in eine negative Spirale ziehen, anstatt uns zu stärken, wie es in einem Bibelvers heißt.

Liebevolles Sprechen hingegen bringt Heilung für uns und unsere Mitmenschen. Vor Kurzem wagte ich den Versuch, meine Reaktion auf bestimmte Situationen zu ändern. Als ich auf der Arbeit einen Anruf erhielt, von dem ich wusste, dass er weitere Aufgaben für mich bedeutete, entschied ich mich bewusst für eine andere Herangehensweise. Bevor ich antwortete, setzte ich mein Headset auf und nahm einen Moment der Besinnung. Ich fasste den Entschluss, das Beste aus dieser Situation zu machen: Wie konnte ich meinem Gesprächspartner helfen? Der Anrufer schien, wie erwartet, gestresst zu sein, und ich versuchte, ihm nach bestem Wissen zu assistieren. Dieses Erlebnis fühlte sich gut an und wirkte entsprechend heilend auf mich. Der Anruf löste ein positives Gefühl in mir aus.

Liebevolles Sprechen, wie es von Tich Nhat Hanh beschrieben wird, ist im Buddhismus als eine Praxis definiert. Als buddhistischer Mönch betont er die Bedeutung von Praktiken im Buddhismus, bei denen bestimmte Verhaltensweisen erlernt und aktiv in das tägliche Leben integriert werden.

Liebevolles sprechen – die sechs Mantras

Tich Nhat Hanh lehrt, dass liebevolles Sprechen aus sechs aufeinander aufbauenden Mantras besteht:

  1. Ich bin für dich da.
  2. Ich weiß, dass du da bist und ich bin sehr glücklich.
  3. Ich weiß, dass du leidest und darum bin ich für dich da.
  4. Ich leide, bitte hilf mir.
  5. Das ist ein glücklicher Moment
  6. Du hast teilweise recht

Vorbereitung

Gemäß Tich Nhat Hanh startet diese Praxis mit einer achtsamen Atmung, um wahrhaft präsent zu sein. Wahrhaft präsent zu sein bedeutet, dass wir vollständig im gegenwärtigen Moment verweilen und uns von nichts ablenken lassen. Weder von Vergangenem noch Zukünftigem, noch von anderen Ablenkungen. Wir lassen uns nicht aus dem Konzept bringen, selbst wenn jemand unerwartet den Raum betritt, sondern richten unsere volle Aufmerksamkeit auf die Person, mit der wir liebevoll sprechen möchten.

Im Christentum finden wir Ruhe und Präsenz durch den Dialog mit Gott. Beten ist das Atmen der Seele. Diese Worte habe ich bereits mehrfach in anderen Beiträgen verwendet. Wenn wir beten und dabei bewusst bleiben, ähnelt unser Gebet der zuvor beschriebenen Übung. Unser Gebet kann mehr als nur eine einfache Meditationsübung sein, denn beim Beten vereinen sich der Atem des Körpers und das Atmen der Seele zu einer universellen und heilenden Übung. Es ist eine optimale Vorbereitung für eine Kommunikation, aus der Liebe heraus.

Ich bin für dich da

Das erste Mantra „Ich bin für dich da“ betont, dass unsere Präsenz das wertvollste Geschenk für geliebte Menschen ist. Es erinnert daran, dass wahre Liebe bedeutet, vollständig für jemanden da zu sein. Dies schließt auch ein, liebevoll mit sich selbst umzugehen. Durch Gebete und bewusstes Sein im Moment können wir diese Präsenz kultivieren. Das Mantra hat eine positive Wirkung auf uns und die Menschen um uns herum. Liebe basiert auf Verstehen, welches nur durch vollständige Präsenz möglich ist. Gebete bilden das Fundament für tiefe Liebe. Selbst wenn die andere Person nicht physisch präsent ist, können wir das Mantra verwenden, um Ruhe und Liebe zu teilen.

Ich weiß, dass du da bist und ich bin sehr glücklich

Das zweite Mantra, „Ich weiß, dass du da bist, und ich bin sehr glücklich“, verwendet man nach dem ersten Mantra, wenn man vollständig präsent und im Hier und Jetzt ist. Es zeigt, dass die Präsenz des geliebten Menschen wichtig für das persönliche Glück ist. Dieses Mantra betont die Wahrnehmung und Anerkennung der Anwesenheit des anderen als kostbar. Es sollte angewendet werden, nachdem man gebetet hat, um die Bedeutung der Präsenz des geliebten Menschen zu betonen und Glück zu teilen. Es erinnert daran, wie wertvoll es ist, dass der andere Mensch in unserem Leben ist und wie glücklich uns das macht. Entscheidend ist, dem anderen zu zeigen, dass seine Gegenwart für uns von Bedeutung ist.

Ich weiß, dass du leidest und darum bin ich für dich da

Das dritte Mantra, „Ich weiß, dass du leidest, und darum bin ich für dich da“, sollte angewendet werden, wenn man bemerkt, dass die andere Person leidet. Es drückt die Bereitschaft aus, in schwierigen Momenten für den anderen da zu sein und kann dazu beitragen, das Leiden zu verringern. Wahre Liebe zeigt sich in Achtsamkeit und Präsenz für den Leidenden. Durch das Aussprechen des Mantras signalisiert man dem Leidenden, dass er nicht allein ist und dass man für ihn da ist, was unmittelbar zur Linderung des Leidens beitragen kann. Es betont die Bedeutung der Anwesenheit und Unterstützung füreinander, besonders in schwierigen Zeiten.

Ich leide, bitte hilf mir

Das vierte Mantra, „Ich leide, bitte hilf mir“, wird angewendet, wenn man glaubt, dass die andere Person für das Leiden verantwortlich ist. Es fordert dazu auf, das Leid zu kommunizieren und um Unterstützung zu bitten. Wahre Liebe zeigt sich darin, Leiden zu teilen und zu erkennen, dass man Hilfe benötigt. Statt zu bestrafen, ist es wichtig, ehrlich mitzuteilen, wenn man leidet, und nach Unterstützung zu fragen. Dieses Mantra erinnert daran, dass wir nicht allein sind und uns gegenseitig brauchen. Es gibt eine 24-Stunden-Frist für das Leiden, nach der das Mantra praktiziert werden sollte, um das Leid zu mindern. Es kann in drei Sätze unterteilt werden: „Ich leide und ich möchte, dass du das weißt“, „Ich tue mein Bestes“, und „Bitte hilf mir“, was dazu einlädt, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und die Ursachen des Leidens zu verstehen.

Das ist ein glücklicher Moment

Das fünfte Mantra, „Das ist ein glücklicher Moment“, wird genutzt, wenn man mit jemandem zusammen ist, der einem viel bedeutet. Es erinnert daran, dass Glück im gegenwärtigen Moment vorhanden ist, auch wenn man es vielleicht nicht bewusst wahrnimmt. Dieses Mantra betont die vielen Bedingungen für Glück, die in der Gegenwart vorhanden sind, von der Luft zum Atmen bis zur Gesellschaft des geliebten Menschen. Die Fähigkeit, diesen Moment als glücklich zu erkennen, hängt von der Achtsamkeit ab und ermöglicht es, das Glück bewusst zu erleben. Durch Achtsamkeit kann man lernen, das Glück in den gegenwärtigen Moment zu bringen, und verstehen, dass man nicht warten muss, um glücklich zu sein.

Du hast teilweise recht

Das sechste Mantra, „Du hast teilweise recht“, wendet man an, wenn jemand Lob oder Kritik äußert. Es ermutigt zur Anerkennung sowohl von Schwächen als auch von Stärken, ohne sich von Lob blenden oder von Kritik überwältigen zu lassen. Die Akzeptanz von positiven und negativen Aspekten fördert Bescheidenheit und fördert ein ehrliches Selbstbild. Es ermutigt auch dazu, andere in ähnlicher Weise zu betrachten, wodurch wir eine umfassendere Sicht auf sie erhalten. Die sechs Mantras können in verschiedenen Beziehungen angewendet werden, um Kommunikation und Verständnis zu fördern. Diese Praxis ist auch für Kinder geeignet, um sie zu befähigen, liebevoll zu kommunizieren und ihre Empfindungen auszudrücken. Das stärkt die Verbindung in Familien und ermöglicht echte Kommunikation . Die Anwendung der Mantras erleichtert ein liebevolles und achtsames Gespräch, was zu einem besseren Verständnis aus der Liebe heraus führt.

Liebevolles Sprechen ist ein kraftvolles Werkzeug

Abschließend können die sechs Mantras für Liebevolles Sprechen als kraftvolles Werkzeug betrachtet werden. Sie führen zu einem tieferen Verständnis für sich selbst und anderen. Durch das bewusste Anwenden dieser Prinzipien – angefangen beim ersten Mantra, „Danke“, bis hin zum sechsten, „Du hast teilweise recht“ – schaffen wir einen Raum für liebevolle Kommunikation in der Gemeinde, in der Familie und mit unseren Nächsten. Indem wir sowohl unsere Stärken als auch Schwächen anerkennen und dies auch bei anderen tun, fördern wir nicht nur eine demutsvolle Haltung, sondern auch eine umfassendere Sichtweise auf die Menschen um uns herum. Diese Praxis ist von unschätzbarem Wert für unsere Gemeinde, da sie die Bindung stärkt und Gespräche aus der Liebe heraus ermöglicht. Letztendlich führt dies zu einer tieferen Zuneigung und Verständnis füreinander.

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